Zur Situation des Künstlerhauses Stuttgart
Posted: Mittwoch 30 September 2009 | Author: admin | Filed under: Artikel, Situation in den Kultureinrichtungen | Tags: Künstlerhaus Stuttgart, Kürzung | No Comments »im Hinblick auf die geplanten Kürzungen der Stadt Stuttgart im Kulturbereich
Stand: 30. September 2009
Das Künstlerhaus wurde 1978 gegründet. Das Haus verfügt über etwa 650qm Ausstellungfläche und bietet verschiedene Produktionseinrichtungen für Künstler sowie ein Atelierprogramm an. Durch seine Struktur bildet das Künstlerhaus eine wichtige Schnittstelle zwischen internationalen Tendenzen und der lokalen Szene.
Das Künstlerhaus hat regional wie international einen hervorragenden Ruf als Ort für jüngste Entwicklungen der zeitgenössischen Kunst. Den Erfolg der letzten Jahre zeigt die Vielzahl an Kooperationen mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen, sowohl auf regionaler Ebene wie im internationalen Kontext. Ausstellungsprojekte des Künstlerhauses wurden von Institutionen in Utrecht, Santiago, Zürich, Berlin, Manchester und London fortgesetzt und in den wichtigsten in- und ausländischen Kunstjournalen und Zeitschriften regelmäßig besprochen. Die bisherigen Künstlerischen LeiterInnen haben anschließend an internationalen Museen und Hochschulen sowie als KuratorInnen von Großprojekten wie der Documenta in Kassel oder den Biennalen in Venedig und Berlin gearbeitet, was nicht nur die Qualität des Programms, sondern auch die Wertschätzung des Hauses verdeutlicht. In der Stadt ist das Künstlerhaus zudem ein wichtiger Katalysator für die freie Kunst- und Musik-Szene.
Eine geplante Kürzung in Höhe von 10 % stellt eine Fortsetzung der Programmgestaltung für das Künstlerhaus existentiell in Frage. Vom Gesamtbudget des Hauses beträgt alleine die verrechnete Miete des städtischen Gebäudes mehr als 50 %. Schon jetzt stehen dem Haus nur etwa 10 % der Gesamtzuwendung überhaupt für die eigentliche Arbeit zur Verfügung, die eben jetzt zur Disposition stehen.
Gleichzeitig ist jede weitere Einsparung an anderer Stelle unrealistisch. Die Personalauslastung ist mit nur 1,5 Beschäftigten und einer Honorarstelle für die künstlerische Leitung für ein Haus mit insgesamt mehr als 1.600 qm Fläche enorm. Die Werkstätten werden durch ehrenamtliche WerkstattleiterInnen mit viel Engagement betreut, insbesondere die technikintensiven Werkstatt-Bereiche benötigen regelmäßige Erneuerungen, die wir schon seit einigen Jahren nicht mehr gewährleisten können.
Die dramatische Situation resultiert aus schleichenden Kürzungen der letzten Jahrzehnte. Betrug der städtische Zuschuss nach Abzug der Miete 1989 umgerechnet noch 212.697,42 Euro, so stehen im Jahre 2008 noch 201.857,56 Euro zur Verfügung, während sich die tatsächlichen Kosten im Vergleichszeitraum nahezu verdoppelt haben. Zudem fehlen dem Haus seit 1996 die Zuschüsse des Regierungspräsidiums für technische Anschaffungen.
Das Künstlerhaus hat seit 2007 das zur Verfügung stehende Projektbudget jedes Jahr durch Drittmittel, Spenden und Kooperationen um bis zu 100 % erhöht. Auch hierzu bedarf es einer soliden Grundfinanzierung, die bei vielen Sponsoren vorausgesetzt wird.
Eine Umsetzung der angekündigten Kürzung würde eine sinnvolle Programmgestaltung in der Zukunft unmöglich machen.
Kontakt:
http://www.kuenstlerhaus.de

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