Kulturpolitisches Forum für Stuttgart

Zur Situation des Württembergischen Kunstvereins

Posted: Mittwoch 30 September 2009 | Author: admin | Filed under: Artikel, Situation in den Kultureinrichtungen | Tags: , | No Comments »

im Hinblick auf die geplanten Kürzungen der Stadt Stuttgart im Kulturbereich

Stand: 30. September 2009

Mit seinen rund 3.000 Mitgliedern und einer Ausstellungsfläche von 2.000 qm zählt der Württembergische Kunstverein zu den größten Kunstvereinen Deutschlands. 1827 gegründet, ist er zudem einer der ältesten.

Der Kunstverein hat in den letzten Jahren nicht nur an lokaler und regionaler Bedeutung gewonnen, sondern sich mit Ausstellungen wie Stan Douglas, Anna Oppermann, Noh Suntag, Postcapital oder Subversive Praktiken an die Spitze internationaler Institutionen für zeitgenössische Kunst bewegt. Dies zeigt sich nicht nur an seiner regelmäßigen Präsenz in der nationalen wie internationalen Presse, sondern auch darin, dass seine Ausstellungen zunehmend von anderen Institutionen in Städten wie Hamburg, Wien, Barcelona, Budapest, Seoul und Peking übernommen werden. 2009 war der Kunstverein zudem an der Koproduktion von Postcapital für die Biennale von Venedig (katalanischer Pavillon) beteiligt.

Für den WKV ist ab 2010 eine Kürzung von 10 % des städtischen Zuschusses geplant – das heißt von über 50.000 Euro. Die Arbeit des WKV würde damit weitgehend zum Erliegen kommen, denn er arbeitet schon heute unter äußerst eingeschränkten Bedingungen mit einem absoluten Minimum an Personal.

Die Zuschüsse des WKV seitens Stadt und Land haben sich seit 1991 von rund 950.000 Euro auf rund 740.000 Euro (Stand 2009) reduziert. Der heutige Stand entspricht dem Niveau von 1986 (bzw. von 1982, betrachtet man nur die städtischen Zuschüsse), wobei die Preisindizes inzwischen um 50% gestiegen sind.

Auf die nominale Stagnation – bzw. realen Kürzungen – hat der WKV mit massivem Personalabbau reagiert: von 25 Beschäftigten in 2001 auf 15 Beschäftigte in 2009, dies entspricht einem Minus von 40 %. Auch die Verwaltungskosten wurden von 79.000 Euro (2003) auf 44.000 Euro (2008) um 44% reduziert.

Trotz der starken Reduzierung der Fixkosten werden diese schon heute nicht mehr durch die Zuschüsse seitens der Stadt und des Landes gedeckt. Das heißt der Kunstverein muss hierzu selbst jedes Jahr rund 55.000 Euro aus eigenen Mitteln aufbringen. In Zukunft wären es dann rund 105.000 Euro, die dem Ausstellungs- und Veranstaltungsetat fehlen würden.

Insgesamt trägt der WKV durch Spenden, Mitgliedsbeiträge, Drittmittel etc. seit 2005 im Schnitt 39 % des Gesamtbudgets selbst. Der Ausstellungs- und Veranstaltungsbetrieb wird dabei im erheblichem Maße durch Drittmitteln finanziert, das heißt durch jährlich bis zu 300.000 Euro, die vor allem aus nationalen und internationalen Töpfen eingeworben werden: die also von Außen in die Stadt fließen.

Projektgebundene Drittmittel, die nicht für Fixkosten verwendet werden dürfen, setzen jedoch einen Eigenanteil in Höhe von bis zu 50 % der Gesamtsumme des beantragten Projektes voraus. Mit der geplanten Kürzung des städtischen Zuschusses, durch die der Kunstverein weitere 50.000 Euro zur Deckung der Fixkosten aufbringen muss, fehlen genau diese Mittel zur Einwerbung von Drittmitteln in gleicher Höhe. Er verliert also jährlich nicht 50.000 Euro an Einnahmen, sondern bis zu 100.000 Euro. Das Programm müsste auf nicht hinnehmbare Weise ausgedünnt werden. Die bedeutet auf lange Sicht auch weniger Mitglieder und somit weitere fehlende Mittel.

Kontakt:
http://www.wkv-stuttgart.de

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