Kulturpolitisches Forum für Stuttgart

Angekündigte Kürzungen im Kulturbereich sorgen in Stuttgart für Unruhe und Gegenwehr.

Posted: Freitag 23 Oktober 2009 | Author: | Filed under: Artikel, Kulturpolitik, Presse | Tags: , , , , , , | 2 Comments »

STUTTG braucht ART Künstler der baden-württembergischen Landeshauptstadt fürchten kulturpolitischen Kahlschlag
Von: Barbara Martin, Neues Deutschland, 23.10.2009

»Wenn die Sparmaßnahmen wie angekündigt kommen, werden wir unsere Ausstellungen von sechs auf zwei im Jahr reduzieren müssen.« Hans D. Christ, einer der Direktoren des Württembergischen Kunstvereins Stuttgart, hat bereits gerechnet. Einen Monat vor der Verabschiedung des städtischen Doppelhaushaltes 2010/2011 schlagen in der baden-württembergischen Landeshauptstadt die Wellen gerade im Kunst- und Kulturbereich hoch. Grund: Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU) hat umfangreiche Kürzungen angekündigt.

Die Wirtschaftskrise hinterlässt ihre Spuren, besonders in einer Stadt, die von Daimler, Porsche und daran hängenden Zulieferern abhängig ist. Die Gewerbesteuer bricht weg, der Anteil an der Einkommenssteuer sinkt drastisch. Entgegen der ursprünglichen Planung fehlen der Stadt in den kommenden zwei Jahren 630 Millionen Euro Einnahmen. Ihr Konzept: neue Schulden in Höhe von 410 Millionen Euro, 25 Millionen Einnahmen durch höhere Gebühren und 50 Millionen Einsparung quer durch die städtischen Ämter. Die Kulturverwaltung, zu der auch Sport und Bildung gehören, müsse da fünf Millionen erbringen, schrieb Eisenmann Anfang September den Kultureinrichtungen und erläutert ihr System: Kultureinrichtungen, die mehr als 400 000 Euro jährlich an städtischer Förderung erhalten, müssen zehn Prozent sparen, wer unter den 400 000 liegt, wird um fünf Prozent gekürzt. Und wo die Stadt nur wenig dazu gibt, stehe die komplette Streichung der Zuschüsse an, schreibt Eisenmann. Ausgenommen vom Sparzwang sind allein die Theater.

Für die Kulturschaffenden fast zynisch klingt da der Satz: »Bei allen absehbaren Schwierigkeiten für Ihre Arbeit ist es der Kulturverwaltung jedoch sehr wichtig, Ihnen allen zumindest Perspektiven für die Jahre 2012 ff. zu bieten.« Wie, das bleibt offen. Christ sieht eher das Gegenteil: »Die Kürzungen sind dauerhaft geplant. Das Geld bekommen wir nicht wieder. Das heißt, hier wird ein strukturelles Defizit organisiert.«

Und das habe man ja eigentlich schon. Denn die bisherige städtische Subvention von 500 000 Euro – soviel wie schon 1986 – reiche im Grunde noch nicht mal für den Unterhalt des Hauses. »Wir akquirieren Drittmittel«, sagt Christ. »Aber um Gelder aus Töpfen zum Beispiel von der EU zu erhalten, muss immer ko-finanziert werden. Und dafür fehlt uns ab nächstem Jahr das Geld. Wir würden also deutlich mehr als die 50 000 Euro verlieren.« Dabei seien der Kunstverein und das ebenso betroffene Künstlerhaus die beiden einzigen Anbieter, die durchgängig zeitgenössische Kunst präsentierten.

Nach dem ersten Schock haben diverse Kunst- und Kultureinrichtungen sich nun zusammengetan. Auf regelmäßigen Treffen werden Protestaktionen geplant, Diskussionen organisiert, unter www.e-stuttgart.org stehen Fakten, Stellungnahmen, Pläne. Schade sei, dass mancher Stadtrat und auch Verwaltungsmensch die Initiativen der Künstler eher als feindlich begreife, so Christ. Dabei wolle man eine faire Debatte und – klar – am liebsten auch ein Umdenken. Die Sparwut der Stuttgarter Verwaltung findet Christ etwas übertrieben. »Ich komme aus Dortmund. Die Stadt hatte wirklich kein Geld.« Laut Stadtverwaltung liegt die Pro-Kopf-Verschuldung in Stuttgart derzeit bei 132 Euro, was ein absoluter Tiefststand seit fast 20 Jahren ist. Ende 2013 werde sie 989 Euro betragen. Im Bundesdurchschnitt beläuft sich die Verschuldung in den Kommunen derzeit pro Einwohner auf 1910 Euro, hat die Bertelsmann-Stiftung ausgerechnet.

In Stuttgart denke man, Straßen und pompöse Bauten machten eine Stadt aus, analysiert Christ. »194 Millionen Euro Rücklagen liegen bei der Stadt für Stuttgart 21.« Das umstrittene Mammutprojekt, bei dem der Stuttgarter Kopfbahnhof als Durchgangsbahnhof komplett unter die Erde gelegt werden soll, stößt bei vielen Stuttgartern auf Unverständnis. Doch bis auf die Grünen und die LINKE sind alle Fraktionen im Stadtrat von der Sinnhaftigkeit dieser Maßnahme überzeugt.

Im kulturpolitischen Forum e-stuttgart wurde nun für den 19. November eine ART PARADE angekündigt. Und demnächst dürften wohl die ersten T-Shirts auftreten mit dem Aufdruck: STUTTG braucht ART.

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2 Comments on “Angekündigte Kürzungen im Kulturbereich sorgen in Stuttgart für Unruhe und Gegenwehr.”

  1. 1 Jacqueline von Manteuffel said at 11:33 on 25th Oktober, 2009:

    Für den Stuttgarter Oratorienchor ist es unfassbar, dass mit einem Federstrich die Existenzgrundlage einer über 160jährigen Musiktradition, die eng mit Stuttgart verbunden ist und zur Stadtgeschichte gehört, von Frau Dr. Eisenmann bedroht wird. Die lapidare Vermutung, der Chor könne ja durch andere Einnahmen die Förderung wett machen, klingt fast zynisch…wir leben von Eintrittspreisen (wenn wir diese erhöhen, kommen weniger Zuhörer), von Mitgliederbeiträgen (wenn wir diese drastisch erhöhen, bleiben Sänger weg) und einigen Privatleuten, die uns hin und wieder Spenden zukommen lassen. Die gesamte organisatorische und künstlerische Arbeit geschieht ehrenamtlich.
    Immer wieder wird von der Stadt Stuttgart das Ehrenamt gelobt, das Engagement der Bürger gefordert – und da wo es geschieht und Bürger sich für eine lebendige Kultur in der Stadt einsetzen, da wird gestrichen. Wir bekamen bisher von der Stadt 13.000 EUR. Vergleichsweise wenig.
    Wir sind uns im Vorstand einig, und denken, dass andere betroffene Chöre das ähnlich sehen: wir können nicht tatenlos hinnehmen, dass unser Engagement nicht nur nicht gewürdigt, sondern sogar zerstört werden soll. Wir sind ja durchaus bereit, unseren Beitrag zu den Sparplänen einzubringen…mit 5% oder 10% haben wir ja alle fast gerechnet…aber die totale Streichung??
    Frau Dr. Eisenmann, haben Sie sich schon einmal von der Qualität unserer musikalischen Arbeit überzeugt? Wo bleibt Ihr Verständnis für Kultur, für Tradition, für die Würdigung ehrenamtlicher Tätigkeit? Wie soll die kulturelle und musikalische Landschaft der “heimlichen Chorhauptstadt Stuttgart” aussehen, wenn etliche Konzerte nicht mehr stattfinden können?
    Ausserdem werden auch mit der Massnahme etliche Einnahmen gestrichen: die Liederhalle wird einige Buchungen verlieren, etliche Kirchen können ihre Räume nicht mehr für Konzerte und Proben vermieten, Konzertbesucher gehen nicht mehr nach Konzerten in Restaurants, Künstler und Orchester (also Professionelle, die wir als Solisten engagieren) werden weniger Einnahmen haben…und wir alle, die im Chor singen und damit eine wunderbare Aufgabe neben unserem Beruf haben, müssen auf diese Freude verzichten. Das kann man natürlich nicht in Geld ausrechnen…
    aber es macht die Lebensqualität einer Stadt aus.
    Da wo Kultur ausstirbt, stirbt auch diese Lebensqualität mit.

    Jacqueline von Manteuffel
    1.Vorsitzende Stuttgarter Oratorienchor

  2. 2 Sandra said at 08:18 on 1st September, 2012:

    Wenn ich mal kurz klugsch darf. Beim LG Dfcsseldorf haben wir, wie bei allen LG, Kammern keine Senate..@ Michael Sittig: Regelme4dfig guekcn, welche Programme der Nachwuchs auf dem Rechner hat insbes. P2P Programme. Im fcbrigen kann man auch Programme sperren lassen, damit die erst gar nicht auf den Rechner kommen.


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