Kulturpolitisches Forum für Stuttgart

Für den Erhalt der einzigartigen Kunstvereinslandschaft

Posted: Dienstag 13 Oktober 2009 | Author: | Filed under: Aktivitäten, Kulturpolitik | Tags: , , , , , | No Comments »

S t e l l u n g n a h m e
der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine zu den geplanten Kürzungen der Stadt Stuttgart im Kulturbereich
Jan Holten, Vorsitzender, Berlin, 12.10.2009

Im September kündigte die Stadt Stuttgart im Zuge der Haushaltskonsolidierung bis zu zehnprozentige Kürzungen der Zuschüsse für städtisch geförderte Kultureinrichtungen an. Betroffen sind u.a. der Württembergische Kunstverein und das Künstlerhaus Stuttgart. Beide Institutionen sehen sich damit – wie andere deutsche Kunstvereine derzeit auch – vor existentielle Probleme gestellt. Ohne eine adäquate kommunale Basisförderung lässt sich die in vieler Hinsicht herausragende Position der Kunstvereine – als Orte der künstlerischen Produktion und Innovation, des regionalen, aber auch internationalen kulturellen Austausches und des öffentlichen Diskurses sowie als Faktor, der Image und Bekanntheitsgrad von Stadt und Land erheblich steigert – nicht aufrechterhalten.

Die dramatische Situation in Stuttgart ist das Ergebnis bereits seit Jahrzehnten schwindender öffentlicher Zuschüsse. Inzwischen wirtschaften die Kunstvereine, wie viele andere Einrichtungen im Kulturbereich, mit einem Minimum an Personal. Die Zuschüsse decken längst nicht mehr die Betriebskosten, obwohl diese auf das unterste Niveau zurückgeschraubt wurden; und die Programmarbeit ist nur über Drittmittel, die kaum Planungssicherheit bieten, zu realisieren. Die bisherige Arbeit, die auf der Basis einer absoluten Untergrenze an Mitarbeitern gestemmt wird, ist nur durch ein hohes Eigenengagement möglich. Vor dem Hintergrund dieser prekären Situation würden jegliche weiteren Kürzungen, auch wenn ihr Umfang zunächst noch so moderat erscheint, eine Fortsetzung der Programmarbeit unmittelbar gefährden und eine irreparable Lücke in der städtischen Kulturlandschaft hinterlassen. Die Auswirkungen werden sich in der gesamten Kultur- und Kunstszene und in der Kulturwirtschaft bemerkbar machen, mit denen die Kunstvereine eng verzahnt sind.

Kunstvereine sind historisch die zentralen Vermittlerinstanzen für zeitgenössische Kunst in Deutschland. Sie geben der zeitgenössischen Kunst seit fast 200 Jahren ein Forum, in dem diese ausgestellt und sowohl einem Fachpublikum wie auch breiteren Kreisen der Bevölkerung vermittelt wird.

Kunstvereine stellen einen wesentlichen Teil der lebendigen kulturellen Öffentlichkeit her, die für ein demokratisches Gemeinwesen unverzichtbar ist. Sie fördern, unterstützt durch öffentliche Mittel von vergleichsweise sehr geringem Umfang – man denke etwa an die Aufwendungen von Museen und Theatern – die Lebensqualität, die Erneuerung der Kultur, die Innovationsfähigkeit und die Attraktivität des Landes sowie seiner Städte und Gemeinden. Nicht nur die Kulturökonomie hat darauf aufmerksam gemacht, dass eine lebendige Kultur und entsprechende kulturelle Szenen zu den entscheidenden weichen Standortfaktoren zu zählen sind. Kulturell lebendige Städte sind gewöhnlich auch wirtschaftliche Zentren. Nicht zufällig ist im letzten Jahrzehnt das Interesse von Unternehmen an der zeitgenössischen Kunst und an den „creative industries“ deutlich gestiegen – mit ihren kreativen Leistungen stellt die zeitgenössische Kunst ein Modell für innovatives Denken und Handeln dar.

Das Land Baden-Württemberg hat die Förderung und den Ausbau der Kunstvereine gezielt vorangetrieben; das wird auch durch die Unterstützung sichtbar, die z.B. der Dachverband der Kunstvereine (ADKV) durch das Kultusministerium in der Vergangenheit erfahren hat. Baden-Württemberg unterstreicht damit die große kulturpolitische Bedeutung der Kunstvereine und trägt zu ihrem überregionalen und internationalen Erfolg bei.

Von der städtischen Förderung ist insbesondere auch die Möglichkeit abhängig, andere Mittel von öffentlichen und privaten Trägern einzuwerben. Da solche in Stuttgart und Baden-Württemberg verausgabte Mittel vielfach auch außerhalb Baden-Württembergs gewonnen werden (Bundeskulturstiftung, EU-Mittel u.a.), sind Streichungen, die dies in Zukunft verhindern würden, nicht mit den ökonomischen Interessen der Stadt und des Landes vereinbar, geschweige denn mit den kulturellen.

Bisher musste noch kein Kunstverein mit einer fast 200-jährigen Tradition aufgrund fehlender kommunaler Förderungen schließen. Wir würden sehr bedauern, wenn ausgerechnet einer der ältesten Kunstvereine dazu gezwungen wird, seine inhaltliche Arbeit de facto aufzugeben. Wir setzen uns weiterhin dafür ein, dass auch die Arbeit der jüngeren Kunstvereine mit entsprechender Förderung ihre Anerkennung erfährt und bitten die geplante pauschalisierte Kürzung des Kulturetats zu überdenken.

Be Sociable, Share!


einen Kommentar schreiben

You must be logged in to post a comment.