Kulturpolitisches Forum für Stuttgart

Für die Ausstellungsmacher wird es eng

Posted: Donnerstag 1 Oktober 2009 | Author: | Filed under: Artikel, Kulturpolitik, Presse | Tags: , , , , , , | 1 Comment »

Die Sparpläne der Stadt Stuttgart bringen viele in Bedrängnis.
von: Michael Werner, Stuttgarter Zeitung, 01.10.2009

Irgendwo ist immer die Grenze. Und die, welche die Stuttgarter Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann für ihr Kürzungspaket im Kulturbereich festgelegt hat, liegt bei 400 000 Euro. Einrichtungen, die von der Stadt jährlich mindestens mit dieser Summe gefördert werden, müssten in den Jahren 2010 und 2011 mit zehn Prozent weniger städtischem Geld auskommen. Institutionen, die weniger als 400 000 Euro erhalten, sollen um fünf Prozent gekürzt werden. Ausgenommen von den geplanten Kürzungen sind die Staatstheater, das Kunstmuseum sowie die kleineren Theater . Die für den Stuttgarter Kulturhaushalt geforderte jährliche Einsparung von 5 Millionen Euro ist Teil eines städtischen Sparkonzepts, das Einsparungen von insgesamt 50 Millionen Euro vorsieht.

Es gibt immer Häuser, die auf der Grenze leben. Das Stuttgarter Künstlerhaus zum Beispiel erhält derzeit vom Kulturamt eine jährliche Förderung von knapp 420 000 Euro. Die Hälfte davon geht als Miete direkt zurück an die Stadt. Von der anderen Hälfte, sagt Axel Wieder, der künstlerische Leiter, müsse er den Großteil für Personal und Hausnebenkosten aufwenden: “Ein Rest von 45 000 Euro bleibt für Ausstellungen und Veranstaltungen übrig.” Doch wenn die Sparpläne der Kulturverwaltung umgesetzt werden, erhält das Künstlerhaus rund 42 000 Euro weniger als bisher. Sprich: für den Ausstellungs- und Veranstaltungsbetrieb blieben 3000 Euro übrig. Für Wieder würde das bedeuten, dass das Künstlerhaus in Zukunft keine seiner jährlich acht Ausstellungen und keinen seiner jährlich dreißig Film- oder Diskussionsabende mehr realisieren kann. “Das Haus ohne Mittel für Ausstellungen zu betreiben, wäre absurd.”

Auch der Württembergische Kunstverein, der von der Stadt jährlich mit einer halben Million Euro gefördert wird, fürchtet um seinen Ausstellungsbetrieb. Von den derzeit sieben bis acht Ausstellungen pro Jahr ließen sich nach einer 50 000-Euro-Kürzung allenfalls noch zwei bis drei aufrechterhalten, schätzt Hans D. Christ, einer der beiden Direktoren, die immer wieder Drittmittel – etwa von der EU – einwerben. Diese werden nur gewährt, wenn das Haus fünfzig Prozent selbst finanziert. “Wenn mir die Stadt 50 000 Euro streicht, dann fehlt mir das Doppelte, weil mir 50 000 Euro an Komplementärmitteln entgehen.”

Die geplanten Kürzungen würde man diesmal also tatsächlich sehen, im Großen wie im Kleinen. Das Kulturcafé Merlin, das auf 14 000 Euro verzichten müsste, rechnet damit, seine Kinderbühne am Sonntagnachmittag statt wie bisher achtmal jährlich nur noch viermal ausrichten zu können. Zusätzlich würde nach Einschätzung der Merlin-Chefin Bärbel Bruns ein Konzert im Monat wegfallen. Sebastian Weingarten, der Intendant des Renitenztheaters, fürchtet um seinen Nachwuchskabarett-Wettbewerb “Stuttgarter Besen”. Florian Höllerer, der Chef des Literaturhauses, sieht bei einem Fehlbetrag von 18 000 Euro die Existenz seines Hauses zwar nicht als bedroht an, “aber das ist ein Betrag, den man erst verschmerzen muss.”

Besonders schwerwiegende Folgen hätten die Kürzungen für die bisher jährlich mit 3,5 Millionen Euro bezuschusste Volkshochschule. Sollte die Stadt deren Altschulden in Höhe von 560 000 Euro nicht übernehmen und den Zuschuss um zehn Prozent kürzen, dann rechnet die Direktorin Dagmar Mikatsch-Köther mit einem Personalabbau von rund 25 Prozent sowie der Aufgabe von Kernbereichen ihres Bildungsprogramms. Das Angebot “Nachholen von Schulabschlüssen” müsste ebenso wegfallen wie alle Bildungsangebote in den Stadtteilen, der Treffpunkt Kinder und vieles mehr.

Auch für das Theaterhaus Stuttgart, das jährlich knapp 1,3 Millionen Euro von der Stadt erhält, wären die Folgen einer zehnprozentigen Kürzung gravierend. Doch Werner Schretzmeier, der Intendant, hält die Höhe der Theaterhaus-Zuschüsse für unveränderbar. Sie seien Bestandteil der Rahmenvereinbarung, mit der sich die Stadt und das Theaterhaus im vergangenen Jahr auf eine neue Stiftung Theaterhaus geeinigt hatten. “Man kann uns nicht kürzen”, sagt Schretzmeier.

Susanne Eisenmann sieht das ganz anders: “Es gibt keine Verträge, die Kürzungen beim Theaterhaus ausschließen würden”, sagt sie. Sie verteidigt ihr Kürzungspaket gegen Kritik aus der Kulturszene. Mit einer Gesamthöhe von 4,3 Millionen Euro bleibe es unter den geforderten Einsparungen in Höhe von fünf Millionen Euro. “Ich gehe davon aus, dass der Oberbürgermeister das akzeptiert. Es wäre nicht denkbar, noch einmal 700 000 Euro abzuziehen, denn sonst geht es an die Existenz.” Für Michael Kienzle, den kulturpolitischen Sprecher der Grünen im Gemeinderat, steht hingegen fest: “Unsere Aufgabe wird es sein, diese Vorschläge zu modifizieren.” Zwar könne sich auch die Kultur dem Sparzwang nicht entziehen, “aber sie hat zudem die Aufgabe, das Unglück zu bearbeiten”. Kienzle denkt an Überbrückungskredite und die Überprüfung von Großprojekten, um der Kultur “einen Gleitschirm” aufzuspannen. Eisenmanns Sparpaket hält er für einen “Rasenmäher, der auf zwei Stufen eingestellt ist, unsere Aufgabe ist es nun, die schönen Wiesenblumen zu retten”.

Im Württembergischen Kunstverein findet am 7. Oktober um 20 Uhr eine Podiumsdiskussion zu den Kürzungsplänen statt. Thema: “Keine avancierte Kunst in Stuttgart?”

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One Comment on “Für die Ausstellungsmacher wird es eng”

  1. 1 Shan said at 06:44 on 1st September, 2012:

    Sehr geehrter Herr Schrottgewitter,wenn sie schon auf disees alteherne verhe4ltnis zwischen deutschen und juden anspielen, sollten sie sich vielleicht auch einmal fragen, wie pervers und obszf6n doch die gegenteilige perspektive aussieht: ein volk, was einem andern, welches es vor kurzem noch vollkommen auslf6schen wollte, das land eines weiteren dritten zuspricht, welches mit den vorangegangenen verbrechen und somit dem eigentlichen grund der landnahme schlichtweg fcberhaupt nichts zu tun hat.Ist es nicht eigentlich der gipfel der dekadenz und obszf6nite4t nach solch einer schande mit vollgefressenen me4gen zu hause vorm rechner zu sitzen und mit einem frischen wiener-wfcrstchen im vollen mund ” jaja das ham die schon verdient” zu sagen? ich will ihnen das nicht vorwerfen aber es erscheint mir als recht passendes bild um disees midfverhe4ltnis bzw. midfverste4ndnis der schuldfrage zu beschreiben. wir hatten genug chancen um das von uns errichtete fiasko im nahen osten zu beseitigen. Warum haben wir den juden nicht die ehemalige ddr fcberlassen? wir he4tten hier mit fug und recht behaupten kf6nnen ” das haben die schon verdient!”. weiterhin denke ich spielt es keine rolle welche meinung wieviele der menschen bzw. medien vertreten, sondern nur die wahrscheinlichkeit ihrer richtigkeit bzw. fortschrittlichkeit (wenn es sowas gibt). man kf6nnte vielleicht sagen das um so mehr kritische geister eine meinung bejahen um so hf6her die wahrscheinlichkeitauf ihre richtigkeit wird. bin mir da aber nicht sicher…


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