Protest gegen die Kürzung unseres Budgets
Posted: Donnerstag 22 Oktober 2009 | Author: tdomf_00b99 | Filed under: Artikel, Situation in den Kultureinrichtungen | Tags: Kürzung, Oberwelt | No Comments »Sehr geehrte Damen und Herren,
Oberwelt e.V. ist eine ehrenamtlich geführte Plattform und realisiert Veranstaltungen im Bereich zeitgenössischer Kunst und gesellschaftlichem Engagement.
Seit über 30 Jahren holt Oberwelt e.V. profiliert und kontinuierlich außergewöhnliche Ereignisse nach Stuttgart und vermittelt zwischen internationaler, überregionaler und lokaler Szene.
Dies geschieht mit einem Budget, das angesichts seines geringen Umfangs eine erstaunliche Anzahl von Mitgliedern bindet. Diese sind ebenfalls international und regional als KünstlerInnen aktiv und engagieren sich im inhaltlichen Austausch miteinander immer wieder ehrenamtlich für die Vielfalt in ihrer Stadt.
Ein Grund für die Anziehungskraft der Oberwelt mag in der Tradition von konzeptionellem Anspruch und spielerischem Eros liegen, die das Profil von Oberwelt von jeher prägt.
Seit Jahrzehnten begegnen sich in der Oberwelt mehrere Generationen von Künstlern und Aktiven, die in Grenzbereiche von bildender Kunst und konzeptueller Reflektion vorstoßen. Sie bieten hier anderen, bekannten oder weniger bekannten Persönlichkeiten Rahmenbedingungen und Betreuung, die anderswo in dieser Form nur selten oder schwerlich entstehen.
Gemeinsam mit Kooperationspartnern ist Oberwelt als eine essentielle Ergänzung des zeitgenössischen Kunstbetriebs in Stuttgart. Als Institution ist Oberwelt in der Lage, auch deshalb Maßstäbe bei Vermittlung und Produktion zu setzen, weil die Basis unseres Engagements ein Rollenwechsel und ein damit verbundenes Bewusstsein für Künstler ist, die unter prekären Bedingungen arbeiten.
Seit Jahren wächst die Anzahl der Mitglieder. Statt ca. 1000 Euro Beiträgen 2003 (von 30 Mitgliedern) stehen uns 2009 1800 Euro Mitgliedsbeiträge (von 48 Mitgliedern) zu Verfügung.
Die unermüdliche ehrenamtliche Kommunikationsarbeit der vielen Aktiven wird aber durch eine Kürzung der ohnehin nicht mehr ausreichenden Förderung massiv erschwert und entwertet.
Immer wieder gelingt es Oberwelt, zusätzlich privates Sponsoring für einzelne Projekte zu aquirieren. Diese Art von Finanzierung stellt mittlerweile eine wichtige Ergänzung des Budgets dar, ist aber auch ein hoher Unsicherheitsfaktor im Hinblick auf unsere kontinuierliche Planung.
Die öffentliche Förderung, seit den achtziger Jahren so gut wie eingefroren, schrumpft mit der Inflation jedes Jahr (6700.- Euro Stadt, 1940.- Euro Land).
Der Anspruch, einen engagierten Veranstaltungsbetrieb in einer Dichte aufrecht zu erhalten, die der Kraft, der kommunikativen Dynamik und der kulturellen Verantwortung von Oberwelt gerecht wird, wird durch diese Einschränkungen zunehmend unmöglich.
Die Gelder werden ausschließlich für Veranstaltungen verwendet, jedoch können Fahrtkosten und Materialaufwand immer seltener vollständig erstattet werden. Selbst anerkannte und überregional etablierte Künstler werden immer stärker zur Selbstausbeutung gezwungen.
Stuttgart gibt mit der Kürzung aktuell den Anspruch auf, seine Relevanz als Standort von unabhängiger und innovativer kultureller Auseinandersetzung zu halten. Als politische Entwicklung stellen die geplanten Kürzungen einen nicht hinnehmbaren Skandal dar:
Wenn Sie den Mehrwert bedenken, den eine Förderung unserer sich nachhaltig für die Stadt engagierenden Institution für Kultur- und indirekt auch Wirtschaftsleben hat, ist eine Kürzung ein haarsträubender Fehler, der auch dem Auftrag demokratischer Politik in keiner Weise gerecht wird.
Bitte vergegenwärtigen Sie sich Ihre Aufgabe, eine gewachsene Kultur zu erhalten! Dies bedarf zumindest einer Erhöhung der Förderung im Rahmen eines Inflationsausgleiches.
Mit freundlichen Grüßen,
Oberwelt. e.V.

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