Kulturpolitisches Forum für Stuttgart

Theaterhaus vorerst kein Sparopfer

Posted: Montag 5 Oktober 2009 | Author: | Filed under: Kulturpolitik, Presse | Tags: , , , | 1 Comment »

Nach Zwist in der Verwaltungsspitze: Kürzungen in Höhe von 140000 Euro abgewehrt
von: Josef Schunder, Stuttgarter Nachrichten, 5.10.2009

Der Zwang zum Sparen macht nicht nur den Ämtern und den Stadträten der Landeshauptstadt immer mehr zu schaffen, er sorgt auch zunehmend für Zwist unter den Bürgermeistern. Letzter Anlass: die Frage, ob die Zuschüsse für das Theaterhaus Stuttgart um rund 140 000 Euro pro Jahr gekürzt werden sollen. Der Publikumsmagnet auf dem Pragsattel kam noch einmal ungeschoren davon – aber das dicke Ende könnte noch folgen.
Diesmal wollte ausnahmsweise nicht Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) den Rotstift ansetzen, sondern Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU). Von ihrem Ressort Kultur, Bildung und Sport fordern Föll und OB Wolfgang Schuster (CDU) einen Beitrag in Höhe von sieben Millionen Euro zur Verbesserung des städtischen Haushalts, in dem insgesamt 50 Millionen Euro eingespart und die Einnahmen um 25 Millionen Euro gesteigert werden sollen.

Auf die Liste der Sparopfer setzte Eisenmann auch das Theaterhaus, das von ihrer Verwaltung als sogenanntes soziokulturelles Zentrum betrachtet wird. Wenn jede Eintrittskarte 40 Cent mehr koste, könne der Verlust vom Theaterhaus kompensiert werden, meinte die Bürgermeisterin. Die Freien Theater, für die das Sparvorhaben das Aus bedeuten könnte, wollte sie verschonen.

Als Donnerstagabend Eisenmanns Sparvorschläge von der Verwaltungsspitze besprochen wurden, legte Föll sein Veto ein – und OB Schuster widersprach nicht. Der Kämmerer fühlt sich bei den Theaterhaus-Machern im Wort, seit er nach Jahren des Streits die Verhandlungen über die finanzielle Ausstattung und die Zukunft des Theaterhauses zu einem versöhnlichen Ende gebracht hatte. Damals wurde ein Vertrag unterzeichnet, an den sich Föll auf jeden Fall halten will.

Das Theaterhaus kam damals in den Genuss einer besseren Förderung, die auch künftig Bestand haben soll. Mit einer Einschränkung allerdings: Das Theaterhaus wäre auch betroffen, wenn die Stadt in schlechten Zeiten die Zuschüsse für derartige Kultureinrichtungen reihum kürzen müsse. Aber nur dann. Eine Lex Theaterhaus gebe es nicht, erklärte Föll zuletzt in einem Interview mit unserer Zeitung vor zwei Wochen. Sprich: Das Theaterhaus werde behandelt wie alle anderen.

Die Frage der Gleichbehandlung ist freilich Interpretationssache. Föll stuft das Theaterhaus nicht als soziokulturelles Zentrum ein, sondern als freies Theater. Und für diese Einrichtungen habe Eisenmann ja keine Kürzungen vorgeschlagen, soll Föll argumentiert haben. Als Theater werde das Theaterhaus in dem Vertrag bezeichnet, den Föll ausgehandelt hat, heißt es dazu im Rathaus. Als Theater sei es auch in älteren Listen der Kulturverwaltung geführt. Stimmt, räumt die Kulturverwaltung ein. Die Wirklichkeit sei inzwischen freilich eine andere: Auch das Land fördere das Theaterhaus als soziokulturelles Zentrum. Doch der Einwand hat offenbar nichts genützt.

Die Konsequenz ist, dass Eisenmann nun zügig einen Ersatzvorschlag an ihren Parteifreund Föll und an Verwaltungsbürgermeister Klaus-Peter Murawski (Grüne) nachreichen muss. In akuter Gefahr schwebt die Projektgruppe für das geplante Stadtmuseum, dessen Realisierung wegen der Finanzkrise freilich sowieso verschoben werden soll. Die Museumsmacher sollen zwei Praktikantenstellen einsparen. Weil das nicht ausreicht, könnten weitere Sparmaßnahmen auf den Förderverein für das Feuerwehrmuseum in Münster abzielen. Angeblich ist beim Förderverein ein Zuschuss in Höhe der Jahresmiete bedroht.

Das Theaterhaus ist fürs Erste aus dem Schneider. Das dicke Ende, befürchtet die Kulturverwaltung, könnte aber noch kommen: Als soziokulturelles Zentrum erhalte das Theaterhaus vom Land 450 000 Euro. Als Theater hätte es wesentlich weniger zu erwarten. Am Ende könnten deshalb mehr als 140 000 Euro fehlen.

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One Comment on “Theaterhaus vorerst kein Sparopfer”

  1. 1 Saida said at 05:33 on 30th August, 2012:

    TGR sagt:Ich bin erstaunt, dass wir Deutsche als eingzie in Europa vf6llig hysterisch reagieren, Geigerze4hler und Jodtabletten gefragt sind und alle AKW`s von heute auf morgen abgeschaltet werden sollen.Unsere europe4ischen Nachbarn reagieren da erheblich besonnener.Sind wir zu einer Nation von Hosensch********* geworden?


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