Kulturpolitisches Forum für Stuttgart

Unser Engagement für Stuttgart wird mit Füßen getreten

Posted: Mittwoch 28 Oktober 2009 | Author: | Filed under: Artikel, Situation in den Kultureinrichtungen | Tags: , , | No Comments »

Seit 2000 bin ich aktive Sängerin im Stuttgarter Oratorienchor. Jedes Jahr stellen wir mit unserem Engagement 3 Konzerte auf die Beine, wir sind alle stolz darauf, wenn professionelle Musiker gerne mit uns diese Konzerte gestalten und unsere Leistung für einen “Laienchor” sehr beachtenswert finden. Viele Musiker sind auf solche MUGGen (musikalische Gelegenheitsgeschäfte) angewiesen, auch bekommen junge Musiker eine Gelegenheit, auf sich aufmerksam zu machen.

Durch die komplette Streichung des kleinen Zuschusses von 13.000 € im Jahr sind solche Gelegenheiten in Gefahr. Denn der Chor ist auf jede kleine Unterstützung angewiesen, die Streichung würde ein existenzbedrohliches Loch reissen. 13.000 € sollen gestrichen werden, Spenden und Mitgliedsbeitragserhöhungen würden die Sache nicht lösen, da die Konzerthallen nur mittels Kulturzuschüsse auch entsprechend günstiger sind; d.h. auch die Kostensteigerungen der Mieten wären aus eigenen Mitteln zu erbringen. Deswegen ist die Existenz des Stuttgarter Oratorienchores gefährdet.
Dieses ist ein Grund, weswegen ich meine kostbare Freizeit mit dem Verfassen dieses Schreibens zubringe. Ein weiterer Grund liegt im persönlichen Bereich: das Singen in einem Konzertchor ist für mich die einzige Möglichkeit, musikalisch aktiv zu sein. Die Stimme ist ein Instrument, welches nicht direkte Kosten verursacht. Für Menschen mit kleinem Einkommen eine Chance, aktiv am kulturellen Leben teilzunehmen. Natürlich braucht es Erfahrungen, Musikalität und musikalische Bildung, im Stuttgarter Oratorienchor konzertant mitzuwirken. Der Baustein muss also schon früher gelegt worden sein, nämlich in der frühkindlichen, schulischen und erwachsenen Bildung. Ohne einen engagierten Musiklehrer im Gymnasium, damals vor 25 Jahren, hätte ich später in keinem Chor als Erwachsene einsteigen können.
Die Chorarbeit hat in mir Interesse und Verständnis für verschieden kulturelle Angebote geweckt. Unsere Kultur stellt eine Säule in unserer Gesellschaft dar, ohne sie ist unsere Gesellschaft seelen- und ausdruckslos. Diese Kultur auch Laien zugänglich zu machen ist höchst bedeutsam. Allein “professionelle” Darstellung der Kultur würde das aktive Miterleben der Mitmenschen nicht unterstützen. Gerade die Darstellung durch engagierte Laienmusiker gepaart mit professioneller Unterstützung macht die Sache lebendiger, die Zuhörer fiebern mit. Teilweise ist man erleichtert, wenn nicht alles aalglatt und perfekt läuft; umso verwunderter wie schön und eindrucksvoll diese Darstellung auf Zuschauer wirkt. Wir ernten immer viel Beifall und sehen in glückliche Gesichter. Der Dank für einen schönen kulturellen Abend. Manch einer verbindet dieses Erleben mit der Fahrt in die Landeshauptstadt, einem schönen Essen und hinterher einem Glas Wein. Auch eine Form von Lebensqualität in einer Kulturstadt wie Stuttgart.
Durch die Streichung macht auch einen Strich durch diese kulturelle Lebensart.
Die Kultur sollte vielfältig bleiben, dazu braucht es die Unterstützung der Stadt, sparen ist verständlich und auch möglich, eine Streichung hingegen ist unmöglich und nicht wieder gut zu machen, sie zerstört die Kulturvielfalt, die Streichung ist ein empfindlicher Tritt gegen das Engagement vieler Bürger.

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