Kulturpolitisches Forum für Stuttgart

Vernetzung

Posted: Mittwoch 14 Oktober 2009 | Author: | Filed under: Artikel, Kulturpolitik, Situation in den Kultureinrichtungen | Tags: , , , | 2 Comments »

von: Peter Jakobeit, Kulturgemeinschaft Stuttgart e.V.

Lobenswert und notwenig, dieses Projekt, gar keine Frage. Es gilt, dem Unterfangen alles Glück der Welt zu wünschen.
Aber Herr Zuber hat dennoch im Kern Recht: Er kann keine echte Vernetzung, Verzahnung der hiesigen Kulturszene erkennen. Natürlich gibt es Kooperationen und Gespräche, aber das ist oft nur bilateral oder informell.
Herr Joly hat mit seiner Äußerung, die Kulturverwaltung habe seit 21 Jahren kein Kulturkonzept entwickelt, ganz sicher keine Einbahnstraße beschrieben. Es ist durchaus so, dass die Szene die Verwaltung in dieser Frage nicht unbedingt vor sich her getrieben hätte. Es herrschte und herrscht kein Druck von unten. Es sind eben doch stets Einzelkämpfer unterwegs. Es gab in der Vergangenheit einige Versuche, Netzwerke, wenigsten bezüglich eines kontinuierlichen Informationsaustausches zu installieren. Allesamt wieder eingeschlafen.

Letztlich ist es kein Wunder, dass die Verwaltung glaubt, mit Ihren unerträglichen Vorhaben nicht auf allzu großen Widerstand zu treffen. Ich fürchte, sie behält Recht.
Ein kleines bisschen will ich auch in eigener Sache reden. Mich plagen dabei weder Eitelkeit noch Mangel an Beschäftigung. Es ist einfach nur bemerkenswert, dass auch in der aktuellen Situation die Kulturgemeinschaft eher nicht wahrgenommen wird. Bemerkenswert deswegen, weil sich bei uns immerhin 35.000 Abonnenten für Kultur und Kunst sammeln, weil wir annähernd 20 % der hiesigen Kulturgänger hervorbringen, weil wir womöglich die letzte unabhängige Zeitung herausgeben, weil wir uns dezidiert um kleine Bühnen oder Orchester bemühen,  um deren Streben nach Qualität mit einer verbesserten Überlebenschance zu verknüpfen. Die KG unterhält das einzige Kunstabonnement in der Republik, führt jährlich zwischen 25 und 30 große Veranstaltungen im Bereich Musik und Tanz durch und hat vor kurzem den „Kulturfinder“ erfolgreich initiiert und ins Netz gebracht. Wir haben damit der Krise mit Investitionen getrotzt, Arbeitsplätze geschaffen und können dies tun, weil unser manchmal etwas belächeltes Abo-System offenbar so modern und attraktiv ist, dass wir stabile Mitgliederzahlen bei steigenden Umsätzen vorweisen. Kurz und gut, eigentlich kein schlechter Partner in düsteren Zeiten.
Damit da jetzt kein falscher Zungenschlag entsteht: Hier beklagt sich niemand. Worüber denn auch? Mangelnde Aufmerksamkeit oder Erfolg sind wirklich nicht unser Problem. Es ist einfach nur typisch, dass die Kulturszene all das Geschilderte nicht zur Kenntnis nimmt, weil sie allzu oft nicht über den eigenen Tellerrand hinaussieht – womit wir wieder beim Anfang wären. Typisch hierfür übrigens auch, dass Herr Welke heute in der StZ quasi alles auflistet, was dem Rotstift komplett zum Opfer fallen soll, dabei aber das einzige Organ, das zumindest eine Vernetzung bezüglich der Veranstaltungsinformationen in der Stadt (und darüber hinaus) gewährleistet, ausgelassen oder übersehen hat: das Literaturblatt. Auch hier wird deutlich, dass man lieber auf (oft sehr gute und wertvolle) Action schaut und sich weniger um diejenige Hintergrundarbeit kümmert, die nötig ist, um die jetzt so sehnlich gewünschten Netzwerke erst einmal zu ermöglichen.
Herr Zuber hat dies wohl gemerkt.
Viel Erfolg, Durchhaltevermögen und Glück sei gewünscht. Als „Sachkundiger Bürger“ stehe ich vollkommen auf Ihrer aller Seite und hoffe wie alle, dass wir in diese unsägliche Liste der Verwaltung so etwas Ähnliches wie Sinn und Verstand hineinbekommen.

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2 Comments on “Vernetzung”

  1. 1 Iris Dressler said at 18:02 on 14th Oktober, 2009:

    Ich denke, es gibt verschiedene Ebenen der Vernetzung: Zum Beispiel die Vernetzung im Hinblick auf gemeinsame Projekte, Veranstaltungen, Programme, Inhalte, Infrastrukturen etc., oder aber kulturpolitische Zusammenschlüsse. Letzteres ist ohne Ersteres nicht möglich. Wenn ich die Situation heute mit der von 2005 vergleiche (über die Zeit davor kann ich nichts sagen, da ich erst 2005 nach Stuttgart kam), kann ich erst mal nur feststellen, dass sich in Stuttgart innerhalb der Bildenden Kunst, aber auch zwischen den Sparten, in Punkto inhaltlicher, programmatischer und infrastruktureller Zusammenarbeit enorm viel getan hat und ein sehr viel offeneres Klima entstanden ist. Dass derzeit eben nicht alle nur im Sinne des Einzelkampfes unterwegs sind, um ihre eigenen Pfründe zu sichern, sehe ich als ein absolut positives Zeichen dieser Tendenz.
    Eine gute Vernetzung heißt nicht unbedingt, dass jeder mit allen in Verbindung steht, sondern kann auch darin bestehen, dass es Berührungspunkte zwischen den verschiedenen Milieus gibt – und davon gehe ich in Stuttgart aus – , die es jetzt zu aktivieren gilt. Die Kulturgemeinschaft könnte dabei – zum Beispiel als Multiplikator und Kommunikator – sicher sehr hilfreich sein. Eine Stellungnahme der Kulturgemeinschaft hinsichtlich der geplanten Kürzungen im Kulturbereich wäre überdies ganz sicher von großer Tragweite.

    Was derzeit zudem sehr wichtig wäre, ist eine umfassende Informationsbündelung: Es wäre gut, wenn zum Beispiel die derzeit direkt von den angekündigten Sparmaßen betroffenen Institutionen auf e-stuttgart (siehe Kategorie: Situation in den Institutionen) ihre Situation veröffentlichen: welche Summen sollen ihnen gekürzt werden, und vor allem, welche Folgen würde das haben. Wir müssen dringend das Gesamtszenario, das am 18.12. beschlossen werden soll, – und dessen Auswirkungen auf die Zukunft dieser Stadt – aufzeigen. Was immer derzeit an Aktionen, Gesprächen, Podien zum Thema Kürzungen – und zu kulturpolitischen Belangen insgesamt – geplant ist, kann ebenfalls auf e-stuttgart geposted werden. Insofern ist es auch gut, die Existenz von e-stuttgart weiterzuleiten.

    Last, not least: In der derzeit akuten Situation ist es von zentraler Bedeutung, die kulturpolitische Diskussion auf der Ebene von Kultur, Bildung und Soziales zu führen: Denn dies sind drei Bereiche, die absolut zusammengehören, aber jetzt – mal wieder – gegeneinander ausgespielt werden. Dabei gehören Kultur, Soziales und Bildung insgesamt von der Sparliste gestrichen. Zumal Stuttgart auch in diesen Tagen noch eine sehr reiche Stadt ist.

  2. 2 Noon said at 01:23 on 30th August, 2012:

    Sehr geehrte Damen und Herren,ab wann die Grippe atnseckend? Beim Ausbruch der Grippe jurz vorher, bzw. wieviel Tage vorher? Bin Samstag mit einem Patienten bei dem heute dieGrippe diagnostiziert wurde zusammen getroffen?Danke


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