Kulturpolitisches Forum für Stuttgart

Beim Jubiläum ist Sand im Getriebe

Posted: Mittwoch 4 November 2009 | Author: admin01 | Filed under: Artikel, Kulturpolitik, Presse | Tags: | No Comments »

Von: Jörg Nauke, Stuttgarter Zeitung, 04.11.20

Stuttgart – Die Gemeinderatsfraktionen sind von der Ankündigung überrascht worden, die Stadt werde 2011 ganz groß den 125. Geburtstag des Automobils feiern und den Exkulturamtsleiter Wolfgang Ostberg verpflichten, um die Veranstaltungen in der Stadt zu koordinieren. Dafür soll er 80.000 Euro erhalten. Über diesen Plan der Stabsstelle von OB Wolfgang Schuster werden die Stadträte am Mittwoch im Verwaltungsausschuss diskutieren. Zum Vergleich: die Tourismus GmbH beschäftigt eine Mitarbeiterin für die Koordination aller Veranstaltungen im Land. Abgesehen davon, dass die Vorbereitungen noch immer nicht sehr weit gediehen sind, obwohl der Vermarktungsbeginn für den touristischen Höhepunkt bereits die nächste CMT im Januar 2010 sein soll, ärgert die Stadträte vor allem die Höhe des Aufwands. Vor dem Hintergrund massiver Kürzungen im Haushalt passe dieser Plan nicht in die Landschaft, hieß es.
Die Grünen wollen am Mittwoch wissen, weshalb die Stadt einen externen Koordinator brauche und was für Ostberg spreche? Schließlich sei der nicht als Cheforganisator bekannt, und es gebe in der OB-Stabsstelle freie Kapazitäten, weil Großprojekte gekippt würden.

Historischer Fahrzeuge im Mittelpunkt

Diese Frage stellen sich auch Oldtimerfreunde. In der Vorlage wird zwar behauptet, Ostberg sei wegen seiner Kontakte zur Oldtimerszene und seinem Engagement in diesem Bereich für den Posten geeignet; schließlich steht die Präsentation historischer Fahrzeuge, sei es auf dem Solitude-Rundkurs oder bei Sternfahrten mit dem Hof des Neuen Schlosses als Ziel, neben Firmenereignissen und kulturellen Veranstaltungen im Mittelpunkt des Jubiläums.

Tatsächlich reduziert sich die Oldtimerkompetenz Ostbergs offenbar auf seinen Kontakt mit dem Verein Retro Classics Cultur, der sich der Pflege des Kulturguts Automobil verschrieben hat. Diese Beziehung wäre in der Tat Gold wert, weil der Verein bekannte Gesichter der Autobranche zu seinen Mitgliedern zählt und den Organisator der bedeutenden Retro-Classic-Messe, Karl Ulrich Hermann, an der Spitze hat.

Orientierungslos und ohne Know-How

Aber die Beziehung zwischen Club und Ostberg ist getrübt, seitdem er im Juli mit anwaltlicher Hilfe gezwungen werden musste, seinen Posten als 2. Vorsitzender zur Verfügung zu stellen. Man habe sich nicht mehr anders zu helfen gewusst, weil Ostberg seit Jahresbeginn unentschuldigt allen Sitzungen ferngeblieben und der Verein deshalb beschlussunfähig gewesen sei, sagt Hermann auf Nachfrage. Dies habe mit der Verpflichtung als Koordinator zu tun gehabt, wisse er nun. Der Verein hätte diese Vermengung von Ehrenamt, in dem ein Konzept fürs Jubiläum erarbeitet wurde, und dem Job nie gebilligt. Man traut ihm die Aufgabe übrigens auch nicht zu. Ostberg sei ohne den Verein in der Oldtimerszene orientierungslos, ihm fehle das Knowhow. Ihn nur dafür zu bezahlen, Veranstaltungen wie das bereits minutiös vom Verein geplante Fest auf der Solituderennstrecke in einen Terminkalender zu übertragen, sei überflüssig. Die Koordination könnte die OB-Stabsstelle erledigen oder auch die Stuttgart Marketing.

Unverständnis findet bei Hermann auch Ostbergs Vorschlag, für die von beiden in ihrer Funktion als Vorstandsmitglieder eines gemeinnützigen Vereins erarbeitete Konzeption “Autosommer 11″ vom Land eine persönliche Aufwandsentschädigung zu verlangen. Ostberg war am Dienstag nicht erreichbar, die Stadt betonte, der Examtsleiter sei erste Wahl, weil er am Gesamtkonzept mitgewirkt habe. Er werde wie eine Halbtagskraft bezahlt.

Social networks:
  • Print
  • email
  • PDF
  • RSS
  • Facebook
  • Twitter
  • FriendFeed
  • del.icio.us
  • Google Bookmarks
  • MisterWong.DE
  • MySpace
  • Tumblr
  • Live
  • LinkArena
  • Yigg
  • NewsVine


einen Kommentar schreiben