Kulturpolitisches Forum für Stuttgart

Jeder bekommt, was er verdient – Teil 2

Posted: Dienstag 24 November 2009 | Author: | Filed under: Artikel | Tags: , , , , , | 4 Comments »

Vor ca. sechs Wochen wurde ich für einen ähnlich lautenden Artikel heftig kritisiert (http://www.e-stuttgart.org/2009/10/kurzungen-jeder-bekommt-was-er-verdient/). Der Titel bleibt, was sich ändert, ist der Inhalt.

Die Art Parade war – unabhängig von der Kürzungsdebatte – ein voller Erfolg, denn sie hat gezeigt, dass bei all den kontrovers geführten Diskussionen zwischen den Kultureinrichtungen ein gemeinsamer Nenner besteht, dass man bei aller Unterschiedlichkeit am selben Strang zieht.
Und nicht nur das. Auch die Einstellung innerhalb der Vereine und Einrichtungen scheint sich bereits zu ändern.

Erst vor wenigen Tagen bin ich von einer Mitarbeiterin des Künstlerhauses auf die äußerst attraktiven Angebote des Hauses und die Vorzüge einer Mitgliedschaft hingewiesen worden (z.B. die kostengünstige Nutzung der Werkstätten). Das hat mich gefreut, denn genau dieses Zugehen auf die Besucher ist es doch, was es heutzutage braucht. Bei einem so großen Freizeit- und Kulturangebot ist die Annahme, die Besucher würden schon von alleine kommen, denn schließlich sind die Angebote ja so toll, schlichtweg verfehlt. Die Kultureinrichtungen müssen aktiv auf die Menschen zugehen!
Allen, die sich jetzt selbstgefällig zurücklehnen und sagen, dass man ja schon 3.000 Mitglieder habe (WKV), sei gesagt: Auch Journalisten und Politiker sind Menschen! Auch auf die muss man zugehen, und zwar ganz besonders!

So gelungen die Art Parade war, ein paar Fragen bleiben: Bedarf es immer erst solch misslicher Umstände, damit eine solche Aktion entstehen kann? Warum kooperiert man nicht bereits in (halbwegs) guten Zeiten miteinander? Wenn Susanne Benda davon träumt, dass sich Kultureinrichtungen und -vereine „ganz uneitel zusammenschließen“, um aus „geteiltem Etat doppelten Effekt“ zu ziehen (http://www.e-stuttgart.org/2009/11/damit-das-denken-die-richtung-andern-kann/), dann kann man nur hoffen, dass dieser Traum bald Realität wird. Iris Dressler behauptet zwar, dies sei schon jetzt der Fall, doch sei die Frage erlaubt, ob die Art Parade ohne den besagten „Druck von oben“ entstanden wäre. Die Antwort: Wohl kaum.
Sicherlich, in der eigenen Sparte hat der WKV schon mit der ein oder anderen Einrichtung zusammengearbeitet (z.B. mit der Staatsgalerie bei der „Stan Douglas“-Ausstellung), aber wie sieht es denn spartenübergreifend aus? Vielleicht hat Frau Dressler eine positive Antwort parat, aber es dreht sich hier ja nicht nur um den WKV. Und in den meisten Kultureinrichtungen, so scheint es mir, kocht jeder gern sein eigenes Süppchen. In diesem Zusammenhang bin ich auch gespannt, ob die Art Parade (oder etwas ähnliches) nächstes Jahr stattfindet.

Erschreckend finde ich, dass bei einigen – und da bin ich leider schon wieder beim WKV – noch immer keine Selbstkritik stattfindet. Schuld sind die anderen, die Bösen sind die Politiker. Punkt. Aus. Basta. Ganz davon abgesehen, dass ich dieses Verhalten für taktisch unklug halte, weil sich dadurch nur die Fronten verhärten, finde ich es nicht richtig.
Klar, der Kürzungsbrief kam ohne Ankündigung zur Tür hereingeflattert, dennoch sollte sich speziell in Zeiten leerer öffentlicher Kassen jede Einrichtung auch selbst hinterfragen: Wer sind wir? Was machen wir? Warum machen wir das? Wo wollen wir hin? Und wenn man schon dabei ist, dann fragt man sich am besten auch noch: Für wen machen wir das? Und, was können wir besser machen?
Denn eines ist klar: Eine Stadt ist kein Mäzen. Kunst fördern, weil sie das Gute, Wahre und Schöne ist, reicht als Antwort nicht mehr. Insofern sollte man auch Abschied nehmen von Plattitüden wie „Kultur ist keine Subvention, sondern eine Investition in die Zukunft“. Gääääääähn! Kann man solche Sprüche nicht durch Argumente austauschen? Was kann Kultur denn wirklich leisten? Ich geb zu, diese Frage verleitet zu Allgemeinplätzen, deshalb lautet sie wohl besser: Was können wir als Kultureinrichtung für die Stadt Stuttgart und seine Bürger leisten?

Wenn die Kultureinrichtungen all diese Fragen beantworten können, wenn sie kooperieren, wenn sie die Bürger aktivieren, dann mach ich mir keine Sorgen, dass sie recht bald auch das bekommen, was sie verdienen: Mehr Geld, mehr Aufmerksamkeit, mehr Anerkennung!

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4 Comments on “Jeder bekommt, was er verdient – Teil 2”

  1. 1 Iris Dressler said at 13:16 on 24th November, 2009:

    Lieber Herr Kopp,

    ich bin ganz Ihrer Meinung, dass die Art Parade ein toller Erfolg war. Da es sich dabei ja nicht unwesentlich um einen öffentlichen Protest gegen die geplanten Kürzungen handelte, besteht natürlich ein direkter Zusammenhang mit dem “Druck”, der durch immer weniger Mittel auf die Kultureinrichtungen ausgeübt wird.

    Schön war dabei nicht nur, dass sich so viele Institutionen solidarisierten, sondern mit ihnen auch so viele kulturinteressierte Bürger und Bürgerinnen dieser Stadt (und anderer Städte).

    Ich bin auch zutiefst davon überzeugt, dass Journalisten und Politiker Menschen sind. Was das Zugehen auf Personen anbelangt, gibt es für mich aber keine Hierarchien, in dem Sinne, dass man auf bestimmte Gruppen mehr zugehen sollte, als auf andere.

    Frau Benda hatte das “Süppchen kochen” darauf bezogen, dass wir derzeit auch einzeln in Dialog mit den Kulturpolitikern treten. Warum dies notwendig ist, habe ich in meinem Kommentar erläutert (http://www.e-stuttgart.org/2009/11/damit-das-denken-die-richtung-andern-kann/comment-page-1/#comment-91). Wir wollen und müssen auf die Politik zugehen: Einzeln und Gemeinsam.

    Der Roundtable, der am 16.11. in der Oper als Folgeveranstaltung des Podiums im WKV stattfand, hat die Frage, wie wir die gemeinsame Auseinandersetzung über die Zukunft der Kultur in Stuttgart fortsetzen können, welchen – kritischen und selbstkritischen – Fragen man sich hierbei stellen muss, aufgegriffen. Eine Diskussion, die in der Tat erst angestoßen ist und unbedingt weitergeführt werden muss. Dass über 130 Personen aller Sparten an dem Roundtable teilnahmen, hat gezeigt, dass der Bedarf und das Interesse groß ist. Idee ist nun, dass diese Gespräche fortgesetzt werden und dabei immer eine andere Institution dazu einlädt.

    Es geht, da gebe ich Ihnen völlig recht, genau um folgende Fragen, worüber wir uns jenseits der aktuellen Kürzungen austauschen sollten: Was machen wir? Warum machen wir das? Wo wollen wir hin? Für wen machen wir das? Was können wir besser machen? … Aber auch: welche Forderungen können und müssen wir stellen, damit eine vielfältige Kultur in Stuttgart eine Zukunft hat.

    Dies alles klang am Abend in der Oper, wo auch der Stuttgarter Appell diskutiert wurde, bereits an.

    Wie wäre es, wenn Sie sich für das nächste Podium einsetzen?

  2. 2 Axel Kopp said at 23:58 on 24th November, 2009:

    @Iris Dressler: Ich bin sicherlich nicht jemand, der sich versteckt, aber um auf dem Podium zu sitzen, fehlt mir derzeit schlichtweg das Standing. In drei oder fünf Jahren nehme ich das Angebot gerne wahr.

  3. 3 Pharmg496 said at 14:36 on 23rd April, 2012:

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