Kulturpolitisches Forum für Stuttgart

Mit Pauken und Trompeten

Posted: Mittwoch 18 November 2009 | Author: | Filed under: Art Parade, Artikel, Presse | Tags: , , , , | 1 Comment »

Spardebatte: Bei ihrem Protestzug setzen Stuttgarts Kulturschaffende auf buntes Selbstbewusstsein
Von:  Nikolai B. Forstbauer, Stuttgarter Nachrichten, 18.11.2009

Und sie bewegt sich doch, die Kulturszene in Stuttgart. Der Protest gegen die geplanten Kürzungen im städtischen Kulturhaushalt findet nicht mehr nur hinter verschlossenen Türen statt. An diesem Donnerstag rufen die Kulturschaffenden zur Art Parade vor das Rathaus auf.

Am Anfang war die Sprachlosigkeit. Fünf Millionen Euro städtischer Kulturförderung sollen von 2010 an eingespart werden – eine Summe, die auf den ersten Blick weder als Fördersumme überragend hoch noch als Einsparziel unerreichbar scheint. Im Sommer wurde die Summe, wurden die Einsparquoten (zehn Prozent für Einrichtungen, die mehr als 400 000 jährlicher Förderung erhalten, fünf Prozent für jene, die unter 400 000 jährlicher Förderung bekommen) bekannt, ebenso, dass im Theater- und Musikbereich die Gelder für Festivals komplett wegfallen sollen.

Das erklärte Ziel von Stuttgarts Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann: Keine Einrichtung sollte handlungsunfähig werden. Doch nun sieht sich Eisenmann immer lauterem Protest ausgesetzt. Ein Kernvorwurf, der zuletzt am Montagabend bei einem Treffen Stuttgarter Kulturschaffender im Opernhaus formuliert wurde: Eisenmann habe gar nicht erst versucht, sich gegen die Ansagen ihres CDU-Parteikollegen und Finanzbürgermeisters Michael Föll zu stellen, habe die Forderungen einfach durch den Prozentzerstäuber geschickt.

Verschwunden sind die Negativzahlen indes keineswegs – im Gegenteil haben manche, etwa im Feld der Chöre und Orchester der Landeshauptstadt, erst in jüngster Zeit realisiert, dass hier und da überhaupt keine Gelder mehr fließen sollen.

Was tun? Natürlich Einzelgespräche mit den Gemeinderäten, mit den kulturpolitischen, wirtschaftspolitischen und finanzpolitischen Experten der Fraktionen führen. Natürlich auch: die Medien füttern und hinter den Kulissen den Schulterschluss proben. Und: ein gemeinsames Protestschreiben verfassen – den von unserer Zeitung am Dienstag vorgestellten Stuttgarter Appell. Aber nun auch dies: einen Protestzug organisieren. An diesem Donnerstag um 14 Uhr startet er nun – oder besser sie, die Art Parade.

Kein offizieller Protestzug ohne Verantwortliche – dies gilt auch für die Art Parade. Ungewöhnlich aber: Der Verein kunst08+ hat die Organisation und die Finanzierung inklusive Sponsorensuche übernommen, und in diesem finden sich Privatgaleristen, aber auch Persönlichkeiten wie Ludger Hünnekens, Rektor der vom Land getragenen Stuttgarter Kunstakademie. “Dieses Engagement von Leuten, die von den Kürzungen der Stadt auf den ersten Blick gar nicht betroffen sind, finde ich großartig”, sagt Petra von Olschowski. Die Geschäftsführerin der Kunststiftung Baden-Württemberg hat indes selbst großen Anteil an der neuen Solidarität der Stuttgarter Kultureinrichtungen – der Stuttgarter Appell trägt ihre Handschrift. Und unverzichtbar ist im Hintergrund zudem die Diskussions-, Netzwerk- und Vertrauensarbeit von Jean-Baptiste Joly, Direktor der Akademie Schloss Solitude.

Die Organisatoren der Art Parade dürfen auf einen Erfolg hoffen. Um 14 Uhr soll der Protestzug vor dem Künstlerhaus im Stuttgarter Westen (Reuchlinstraße 4 b) starten, um 16 Uhr will man buchstäblich mit Pauken und Trompeten den Rathausplatz erreichen. “Die Idee der Art Parade”, heißt es auf der Internet-Seite www.artparade-stuttgart.de (über die Gesamtentwicklung der Diskussionen informiert weiter die Plattform www.e-stuttgart.org), “verkörpert das, was unsere Stadt gerade in der Krise am meisten braucht: neue Ideen, innovative Lösungswege und vor allem Solidarität und konstruktive Dialoge.” Vor dem Rathaus wird eine Bühne aufgebaut, auch ernst soll es dort zugehen – mit Reden von Beat Wyss, vormals Ordinarius für Kunstgeschichte an der Universität Stuttgart, sowie von Hans Peter Jahn, künstlerischer Leiter des durch die geplanten Kürzungen in seiner Existenz bedrohten Neue-Musik-Festivals Eclat.

Kühn, bunt, ernst und heiter also soll die Art Parade sein – “eine lebendige, kreative, bunte Aktion aller Kulturschaffenden für eine starke Kultur in Stuttgart”. Und keineswegs wollen es die Organisatoren bei dem jetzt erreichten Schulterschluss bewenden lassen. “Wir veranstalten”, sagt Ludger Hünnekens, “die erste Art Parade.” Fortsetzung folgt also – 2010. Das symbolische Parade-Beiwerk ist schon mal gefunden – ein blau-weiß gefärbter Schirm.

Reichen solche Sinnbilder? Reicht es, sich gut beschirmt zu fühlen? Reicht es, dass die Großen – allen voran das Staatstheater – die Kleinen (bis hin zur Musikinitiative Rock und zum weithin unterschätzten Feuerwehrmuseum) unter den Schirm nehmen? Sicher nicht. Aber es könnte etwas entstehen in diesen Wochen, das neu ist für die Landeshauptstadt. Vom Tisch sind die Schlagwörter der ersten Proteststunde, das Reden von einer “avancierten Kultur”, die in Stuttgart nicht gewollt würde. Und mit gutem Grund gar nicht erst aufgetaucht sind in den offiziellen Stellungnahmen gegen die Kürzungen die Aufrechnungen mit Infrastrukturprojekten der Stadt. Zu hören aber ist, der Stadt fehle ein umfassendes, übergreifendes Kulturkonzept. Gerade so, als vertraue man nicht stolz dem vonseiten der Kulturverwaltung forcierten Gegenspiel von Leuchttürmen (aktuell dem Neubau für die Stadtbibliothek) und kleinsten Spielstätten. Pleiten, Pech und Pannen? Gibt es genug, das Stichwort Filmhaus reicht. Man hat also reichlich Stoff zum Nachdenken und für Diskussionen. Ob sich Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster darauf einlässt? Zum Art-Parade-Finale vor dem Rathaus soll ihm am Donnerstag um 16 Uhr der Stuttgarter Appell überreicht werden.

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One Comment on “Mit Pauken und Trompeten”

  1. 1 Deyanira said at 00:33 on 30th August, 2012:

    Ich kann mich Katrin nur anschliedfen. Rezepte gibt es in dseiem Hf6rbuch nicht. Es wird das Prinzip der Insulin-Trennkost erkle4rt und zwischendurch werden einfach mal so ein paar Glockentf6ne eingespielt. Wohl um die Theorie aufzulockern. Oder um den Hf6rer zu verwirren.Ich wollte mir durch das Hf6rbuch zwar erstmal einen groben dcberblick verschaffen, aber nachdem ich vorher schon ein bisschen gegoogelt und mich in das Thema eingelesen hatte, habe ich nichts Neues mehr erfahren und etliche Fragen blieben offen.Ich wfcrde daher auf das Hf6rbuch verzichten und empfehlen, lieber gleich das Schlank-im-Schlaf-Rezeptbuch zu kaufen. Ich meine, dass die Theorie dort auf den ersten Seiten auch kurz erkle4rt wird. Auf jeden Fall aber wfcrde ich vorher einen Blick reinwerfen und schauen, ob du mit den Rezepten fcberhaupt etwas anfangen kannst. Sonst lohnt sich der Kauf ne4mlich auch nicht. Wie viele Stunden ich gehf6rt habe, mfcsste ich mal zusammenrechnen. Die meisten Hf6rbfccher waren mit 1-2 Stunden aber auch ziemlich kurz.


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