Kulturpolitisches Forum für Stuttgart

Welch ein Trauerspiel!

Posted: Sonntag 1 November 2009 | Author: | Filed under: Artikel, Presse | Tags: , , , | No Comments »

von: Peter Jakobeit, Kultur, Ausgabe November 2009

Schlimm genug, dass uns von Raffzähnen in Gestalt juristischer oder natürlicher Personen eine Wirtschaftskrise beschert wurde, deren Bemeisterung wir alle bezahlen dürfen. Nein, kaum ist das Spielfeld halbwegs repariert, werden in aller Öffentlichkeit bereits wieder die Tore aufgebaut, um das muntere Spielchen fortzusetzen. Aber, kleiner Unterschied zum Fußball, bitte ohne Schiedsrichter.
Die finanziellen Auswirkungen der Krise haben nun auch die bis vor kurzem reichste deutsche Großstadt, Stuttgart, erreicht. Die Sparmaßnahmen werden so langsam bekannt, vor wenigen Tagen wurde die »Giftliste« der Kulturverwaltung verschickt. Man fasst es kaum, was da der Öffentlichkeit vorgestellt wird.

Ganz zu schweigen davon, dass es Städte gibt, beispielsweise München oder Berlin, die bei vergleichbarer Kassenlage im Bereich Kultur den Etat erhöhen und man sich dort sicher auch ein paar Gedanken gemacht haben dürfte, ist die Methode der hiesigen Kulturverwaltung schlicht beschämend: Ein Rasenmäher mit zwei Schnitt-höhen. Das ist dann aber auch schon der einzige Punkt, wo man bei viel Wohlwollen ein Nachdenken attestieren könnte. Es ist so furchtbar simpel gemacht, dass jede(r) fleißige PraktikantIn das hätte erledigen können: Entweder Null Kürzung (Theater) oder 5% oder10% Kürzung, je nach Zuschusshöhe. Manches streicht man komplett. Wer anders als die Kulturverwaltung soll denn auf die Existenzverträglichkeit dieser Rasur achten? Man hätte erwarten dürfen, dass dort eine Task Force eingesetzt wird, die sich mit einer Kürzungsfolgenabschätzung auseinandersetzt.
Bekanntes Beispiel ist das Künstlerhaus. Dort führt die Kürzung dazu, dass der jährliche Veranstaltungsetat auf lächerliche 3.000 Euro reduziert werden muss. Nun ist das aber ein Kerngeschäft dieser Einrichtung. Von keinem Schreiner würde man verlangen, dass er zur Firmensanierung als erstes seine Sägen verkauft.
Es wäre eindeutig Aufgabe der Verwaltung, den zuständigen Gremien inhaltlich durchgearbeitete Vorschläge zur Beschlussfassung vorzulegen. So wie es jetzt läuft, wird der anspruchsvolle Teil der Arbeit, nämlich das Austarieren von Folgen, die Einschätzung künstlerischen Wertes oder das Ermessen der Bedeutung für das allgemeine kulturelle Leben der Stadt, anderen zugeschoben. Nun haben die aber wirklich schon reichlich zu tun. Es wird kein Vergnügen sein, derzeit in den Gemeinderat gewählt zu sein. Dass man überlasteten Ehrenamtlichen nun auch noch die Aufgabe zumutet inhaltsleere Vorlagen durchzuarbeiten, öffnet dem Zufall, will heißen der erfolgreichsten Lobbyarbeit, Tür und Tor.
Kulturpolitik aus Überzeugung sieht anders aus!

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