Kulturpolitisches Forum für Stuttgart

Im Kulturbereich mit Maß konsolidieren

Posted: Donnerstag 10 Dezember 2009 | Author: | Filed under: Artikel, Kulturpolitik | Tags: | No Comments »

Pressmitteilung Bündnis 90/Die Grünen

Die Kulturpolitik der Fraktion der Grünen im Rathaus orientiert sich an einer vielfältigen Kulturlandschaft. Grüne Politik übernimmt aber auch die Verantwortung in einer finanziell schwierigen Zeit. Deshalb trägt sie eine Beteiligung der Kultur an der Haushaltskonsolidierung mit.

Weil es keinen Sinn macht, erst komplett zu streichen und dann zu reden, haben wir in den letzten Wochen in zahlreichen Veranstaltungen und Diskussionen, teilweise von unserer Fraktion selbst initiiert, eine Abwägung angesichts der schwierigen Haushaltslage vorgenommen. Diese Debatte wollen wir unter dem Gesichtspunkt der Kulturentwicklung in den nächsten Jahren intensiv weiter führen. Zur zweiten Lesung des Haushalts der Stadt Stuttgart haben wir nun gemeinsam mit der Fraktion der SPD den Antrag „Im Kulturbereich mit Maß konsolidieren“ eingebracht.
Ein eigener Gesamtvorschlag war notwendig, da die Vorschlagsliste der Verwaltung zwar den Anspruch verfolgt, kein Rasenmäher zu sein, dafür aber unerträgliche Komplettstreichungen beinhaltet und durch Aussetzung von bedeutenden und auch notwendigen Festivals in die künstlerische Autonomie der Theater und Musikinstitutionen eingreift.
Für uns sind die Begründungen der Stadtverwaltung zu den vorgesehenen Streichungen nicht nachvollziehbar. Daher haben wir beantragt:

1. Eine Kürzung der allgemeinen Zuschüsse um 5 Prozent mit Ausnahme der Theater und soziokulturellen Zentren sowie der Interkulturellen Arbeit, die weiterhin voll gefördert werden.
Durch diesen Ansatz können auch der Württembergischen Kunstverein und das Künstlerhaus weiterarbeiten.

2. Eine Reduzierung der Kürzung bei Festivals nicht um 50, sondern lediglich um 10 Prozent.
Das betrifft die Festivals Stuttgarter Musikfest (Internationale Bachakademie), Eclat (Musik der Jahrhunderte), Schöne Aussicht (Kinder- und Jugendtheaterfestival), SETT (tri-bühne)
Gerade diese Festivals erzeugen eine überregionale bis internationale Wahrnehmung und vernetzen die Stuttgarter Kulturszene auf einzigartige Weise.

3. Folgende Institutionen wurden von der Verwaltung sämtlich zur Komplettstreichung vorgeschlagen. Sie sollen mit einer 5-prozentigen Kürzung weiterarbeiten können:
Akademie für gesprochenes Wort
Eurythmeum
Musikalische Akademie
Stuttgarter Oratorienchor
Arcata Kammerorchester
Motettenchor Stuttgart
Paul-Gerhardt-Kammerorchester
Rondo vocale
Stuttgarter Choristen
Orchester Pro Musica
Orchesterverein Stuttgart
Junger Chor Stuttgart
Ensemble Ex voco
Onnen-Chor
Mozartgesellschaft Stuttgart
Paulusorchester
Internationaler Arbeitskreis Frau und Musik
Die Stadtteilbezogene Förderung der Kirchenmusik
Rockinitiative MIR

In der Breite und im Bereich der Chöre und Orchester, auf die wir in Stuttgart nicht ohne Grund mit Freude blicken können, sind die Kriterien der Verwaltung, dort zu kürzen, wo wenig Vereinsbeiträge gezahlt werden, wo im Verhältnis mehr Aufführungen außerhalb Stuttgarts stattfinden oder wo Jugendarbeit wenig stattfindet, keine überzeugenden. Für uns betreiben auch musizierende Eltern im besten Sinne Jugendarbeit und Konzerte von Erwachsenen sprechen alle Generationen an und beleben die Stadtgesellschaft.

Dieser Antrag weicht mit einem Volumen von 775.175 EUR von dem Vorschlag der Verwaltung ab. Angesichts der nachgereichten Kulturanträge des Oberbürgermeisters relativiert sich dieses Volumen.

Bereits beschlossene Rücknahme von Kürzungen sind:
– Volkshochschule Halbierung Kürzung 176.000 EUR
– Entschuldung der vhs über 4 Jahre mit 140.000 EUR p.a.
– Beibehaltung des zweiten Bücherbusses 183.000 EUR
– Rückholung der Ferienschließzeiten der Stadtteilbüchereien 112.000 EUR

Neue Förderungen
Neue, von Bündnis 90/Die Grünen beantragte Förderungen der Institutionen wurden in der ersten Lesung beschlossen:
– Forum Theater mit 60.000 EUR
– Rosenau mit 70.000 EUR
– Bix mit 47.500 EUR
– Produktionszentrum Tanz mit zusätzlich 14.000 EUR
– Forum der Kulturen weitere 50.000 EUR

Noch beschlossen werden müssen
– Erweiterung der Förderung des Popbüros
– Weiterentwicklung des Mupädi als Kupädi für die Kulturvermittlungsarbeit
– Bonuscard Kultur
– Ausbau der Musikalischen Breitenarbeit.

Kommunales Kino
Ein noch offenes Feld ist die Arbeit eines Kommunalen Kinos in Stuttgart. Wir freuen uns über die Initiativen, die sich jetzt breit aufgestellt und mit hoher Fachkompetenz des Themas annehmen. Bei allem Charme eines Konzeptes zum Ambo ist dieses jetzt nicht entscheidungsreif. Wir werden weiter im Gespräch sein mit dem festen Ziel, dass Stuttgart baldmöglichst wieder ein Kommunales Kino hat.
Die für das Kommunale Kino eingestellten Beträge sollen im Haushalt eingestellt bleiben.
Immer noch laufen die Kosten für die Miete des Filmhauses ins Leere.

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