Kulturpolitisches Forum für Stuttgart

“Die Gegner wollen erhalten, nicht verändern”

Posted: Sonntag 22 August 2010 | Author: | Filed under: Artikel, Stuttgart 21 | Tags: , , | No Comments »

Zum Interview mit Christoph Ingenhoven, TAZ vom 12.August 2010, von Ingo Arzt

Lieber Herr Ingenhoven, der Vorwurf keine Veränderung, sondern Erhalt zu wollen, ist so alt wie die Architektur selbst. Und Ihre wiederholte Bemerkung, es würden nur die Alten protestieren: Sie sind ja selbst nicht mehr der Jüngste ebenso wie der Entwurf und vor allem das städtebauliche und verkehrstechnische Gesamtkonzept Stgt.21, denn darum geht es hier.

Der Bahnhof ist nur ein Teil der Planung von Stgt. 21 und ein Symbol für den Widerstand gegen ein Projekt, das die Kostensteigerungen eines Joghurts weit übersteigt! Und es geht hier nicht nur um Kostensteigerungen, sondern um die Konsequenzen, die sich hieraus und aus dem Gesamtprojekt ergeben: dazu gehört u.a., dass die Stadt Stuttgart an ihren anderen Aufgaben wie bei Kultur, Bildung und Sozialem bereits schon jetzt massiv streicht und kürzt, dass das Land Baden-Württemberg (und die DB AG) die grundgesetzliche Verpflichtung zur Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Bezug auf gleiche Mobilitätschancen – sprich entsprechende regionale Bahnanschlüsse und Bahnverbindungen – massiv vernachlässigt, dass sich die Stadt Stuttgart und das Land Baden-Württemberg verpflichtet haben, nicht erzielte Grundstückserlöse aus ihren Etats (sprich Steuergeldern) zu finanzieren usw. usw. Hinzu kommt, dass die BürgerInnen dieser Stadt nur kommentatorisch und nicht rechtlich verbindlich zu diesen Planungen befragt wurden – ganz abgesehen von den vielen weiteren Details wie eine massive Einflussnahme auf die Presse. Im Übrigen handelt es sich nicht um eine Minderheit, sondern um eine Mehrheit: dies hat allein schon der Antrag auf ein BürgerInnenbegehren gezeigt, den über 60 000 statt der geforderten 25 000 BürgerInnen unterzeichnet hatten. Dass Sie ein Interesse haben zu bauen ist nachvollziehbar – dass ArchitektInnen sich in den seltensten Fällen um politische und soziale Kontexte und Konsequenzen kümmern, ist nicht nur eine Berufskrankheit, sondern Ausdruck einer nach wie vor eng geführten und eingeschränkten Perspektive dieser Disziplin. Und genau an dieser Stelle liegt der Hund sprich die “Antimodernität” begraben.

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