Kulturpolitisches Forum für Stuttgart

Eine Brandschrift wider Kürzungen in den Kulturbudgets

Posted: Mittwoch 4 November 2009 | Author: | Filed under: Artikel, Überregionale Debatte, Internationale Debatte, Kulturpolitik | Tags: , , , , , | 1 Comment »

von: Michaela Preiner in European Cultural News, 4. November 2009

Kennen Sie den nachhaltigsten Rohstoff Europas?

Die aktuelle Finanzkrise lässt, interpretiert man die Zeichen richtig, den Schluss zu, dass in den Kulturbudgets der europäischen Länder bereits in den nächsten Monaten der Rotstift angesetzt werden wird. Das erste Opfer, das durch die Medien ging, ist das Wuppertaler Theater, das ganz geschlossen werden soll. Auch Hamburg und Stuttgart sehen drastische Einsparungen – sprich Kürzungen in ihren Kulturbudgets vor. Weitere werden folgen. In der freien, unsubventionierten Privatwirtschaft ist die Krise im Kunst- und Kulturbereich bereits angekommen. Sponsoren werden zurückhaltender mit Geldern, private Sammler agieren nur mehr vorsichtig bei Ankäufen und Kulturveranstalter reduzieren die Kosten für ihr Personal auf das absolut notwendige Minimum, um sich den neuen, wirtschaftlichen Gegebenheiten  anzupassen. Ich erlebe auch persönlich, wie groß die Zurückhaltung derzeit ist in Projekte zu investieren, die sich mit Kunst beschäftigen.
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Sexy Stuttg

Posted: Freitag 16 Oktober 2009 | Author: | Filed under: Artikel | Tags: , | No Comments »

Stuttgart ist eine hörende, tanzende und lesende Stadt. Eine sehende? Wohl eher nicht.

Erst in den letzten Jahren erhielt auch die visuelle Kunst zunehmend Einzug. Der Bau einer längst überfälligen “Städtischen Galerie” des Kunstmuseums ist ein Beispiel dafür.
Man war auf einem guten Weg sich auch als Heimat für visuelle Künstler zu begreifen. Und diese sind trotz sexy Berlin in Stuttgart geblieben und haben erfolgreich Programm gemacht. Sie haben hart dafür gearbeitet, daß Stuttgart auch überregional nicht mehr ausschließlich als Tanz- und Theaterstadt und die Kunstakademie lediglich als Kunsterzieherseminar begriffen wird, sondern als eine Stadt mit Instutitionen die es zu besuchen lohnt. All dies hat gut funktioniert ohne ein konkret ausformuliertes “Kulturziel” der Stadt. Das Publikum schiens zu mögen. Und ist Kunst ohnehin nicht frei?

Doch jetzt gibt es eine Parole seitens der Stadtverwaltung: den Sparkurs.
Der all dies aufs Spiel setzt und noch viel mehr.

Es bleibt noch die Frage wofür dieser Rückschritt?


Warnung vor heimatlosen Künstlern

Posted: Mittwoch 14 Oktober 2009 | Author: | Filed under: Artikel, Kulturpolitik | Tags: , , | 1 Comment »

von: Wolf Nkole Helzle
Nach weit über zehnjähriger Mitgliedschaft im Württembergischen Kunstverein bin ich vor zweieinhalb Jahren von Stuttgart weggezogen, nach St. Johann auf der Schwäbischen Alb. Obwohl ich Mitgliedschaften in Vereinen nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen zähle, habe ich diese Mitgliedschaft ganz bewusst nicht beendet, da mir der WKV einiges wichtiges bedeutet:

1. Nicht alle Ausstellungen gefallen mir gleich gut, jedoch ist es der einzige Platz in Stuttgart, an dem die Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Positionen der Kunst nicht nur möglich, sondern Programm ist.
2. Die internationale Ausrichtung der genannten Positionen ist gerade in unserer heutigen Problematik der lokal-global unüberschaubar gewordenen ungelösten Probleme umso wichtiger, um sich persönlich solch unterschiedlicher Sichtweisen nähern zu können. Gerade erst hatte ich Künstlerbesuch aus Japan und die Auswirkungen der Abschottung in der Vergangenheit steckt den Japanern laut eigenen Aussagen immer noch in den Knochen. Was es wohl auch schwierigerer macht, einen eigenen Weg in die Zukunft zu finden.
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Feine Verästelungen

Posted: Dienstag 13 Oktober 2009 | Author: | Filed under: Artikel, Kulturpolitik | Tags: , , , , , , | No Comments »

Jeder, der mehrmals in seinem Leben umgezogen ist, weiß wie schwierig der Aufbau einer beruflichen Infrastruktur ist. Bis diese Basis auf soliden Füßen steht, vergehen meist Jahre. In Stuttgart sind es Künstlerhaus, WKV und Oberwelt die den zugezogenen Künstlern die Hand reichen. Es entstehen solide Verbindungen die zum Bleiben bewegen. Künstler die hier geblieben sind, schätzen Stuttgart als kreativen Ort und arbeiten für eine vielfältige Kunstszene.
Warum also behandelt die Stadtverwaltung diese Künstler so schäbig und schielt nach großen Namen die eben noch hier auch schon wieder weg sind? Warum werden Künstler als ewige Bittsteller gesehen die selbst nichts erwirtschaften? Gerade hier scheint die Wahrnehmung als besonders verschoben. Das Kulturamt (wo treten deren knapp 750 Mitarbeiter eigentlich in Erscheinung?) bekommt einen Teil der Zuschüsse in Form von Mieten wieder zurück. Arbeitsplätze werden davon bezahlt (auch die der Kulturamtsmitarbeiter, denn wo nichts ist, kann auch nichts verwaltet werden, also wird man auch über Kürzungen innerhalb der Verwaltung sprechen müssen!!!).
Bei den Künstlern selbst kommt die Förderung am ehesten in Form von zweckgebundenen Zuschüssen an. Sie tragen ihr Geld also wieder in den Wirtschaftskreislauf zurück um ihre Ideen zu verwirklichen, indem sie Kataloge drucken lassen, Fotografen und Texter bezahlen oder Material einkaufen.
Das könnten sie natürlich auch woanders tun.
Fragt sich nur wohin die ganzen Arbeitslosen der Autoindustrie dann hingehen sollen.
Am besten zuhause bleiben und in die Röhre gucken.